Im Oktober 2026 führte das Venetian Las Vegas eine bedeutende Änderung in seinem Pokerraum ein: Die Dealer begannen, die Karten über den Tisch zu schieben, anstatt sie durch die Luft zu werfen. Diese als Slide Dealing bezeichnete Methode verringert das Risiko, dass die verdeckten Karten der Spieler für Gegner oder versteckte Kameras sichtbar werden. Das Venetian war der erste große Pokerraum am Las Vegas Strip, der diese Technik in seinem gesamten Bereich mit 50 Pokertischen einführte, nachdem zuvor bereits das South Point eine entsprechende Umstellung vorgenommen hatte. Obwohl diese Anpassung zunächst unbedeutend erscheinen mag, betrifft sie einen wesentlichen Aspekt des Live-Pokers: den Schutz von Informationen, die vertraulich bleiben müssen, bis ein Spieler seine Karten freiwillig aufdeckt. Die Entscheidung wirft außerdem grundsätzliche Fragen zu den Abläufen beim Kartengeben, zur Spielsicherheit und dazu auf, ob weitere große amerikanische Pokerräume diesem Beispiel folgen werden.
Die Entscheidung des Venetian spiegelt die wachsenden Bedenken hinsichtlich der Sicherheit traditioneller Kartenausgabeverfahren beim Live-Poker wider. Seit Jahrzehnten verwenden amerikanische Pokerdealer üblicherweise eine Technik namens Pitch Dealing, bei der einzelne Karten mit einer schnellen Handbewegung durch die Luft zu den Spielern befördert werden. Erfahrene Dealer können diese Bewegung schnell und präzise ausführen. Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass Karten während des Fluges steigen, sich drehen oder kippen. Bereits eine kurze Veränderung des Winkels kann einen Teil der Kartenvorderseite sichtbar machen. An Tischen, an denen beträchtliche Geldbeträge eingesetzt werden, kann die Offenlegung einer einzigen Karte einem Gegner Informationen verschaffen, die seine Entscheidungen während einer Hand grundlegend beeinflussen.
Tommy LaRosa, Director of Poker Operations im Venetian, erklärte gegenüber PokerNews im Oktober 2026, dass das Resort die Einführung von Slide Dealing bereits zu Beginn des Jahres im Rahmen seiner Bemühungen zur Verbesserung der Spielsicherheit geprüft hatte. Ziel war es, die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Kartenoffenlegung während der Ausgabe zu reduzieren und gleichzeitig die Effizienz eines großen Pokerraums aufrechtzuerhalten. Vor der Einführung organisierte das Management Schulungen und Übungsmöglichkeiten für die Dealer. Diese Vorbereitung war notwendig, da das Schieben der Karten andere Bewegungsabläufe erfordert als die traditionelle Wurftechnik, mit der viele amerikanische Casinoangestellte seit Jahren vertraut sind.
Die Änderung erregte Aufmerksamkeit, als der professionelle Pokerspieler Bart Hanson am 12. Oktober 2026 über die neue Ausgabemethode berichtete. Sein Berufskollege Matt Berkey veröffentlichte anschließend Videoaufnahmen, auf denen zu sehen war, wie die Karten über den Filz geschoben wurden. Dadurch ließ sich nachvollziehen, wie die Methode in einem stark frequentierten Pokerraum in Las Vegas funktionieren kann. Bereits am 14. Oktober berichteten Fachmedien über die Einführung in der gesamten Anlage des Venetian mit ihren 50 Pokertischen. Besonders bemerkenswert war dieser Schritt, weil das Resort regelmäßig zahlreiche Cash Games und bedeutende Pokerturniere veranstaltet. Entscheidungen über die dortigen Betriebsabläufe können deshalb auch außerhalb des eigenen Pokerraums Einfluss auf die Branche haben.
Beim Texas Hold’em erhält jeder Spieler zwei persönliche Karten, die sogenannten Hole Cards. Diese Karten sind entscheidend für das strategische Gleichgewicht des Spiels, da die Gegner Entscheidungen treffen müssen, ohne die genaue Starthand eines anderen Spielers zu kennen. Wer beispielsweise zwei Asse auf der Hand hält, könnte bereits vor dem Flop erhöhen, während sich ein Spieler mit einer schwächeren Kombination möglicherweise für einen Fold entscheidet. Erkennt ein anderer Teilnehmer während der Kartenausgabe heimlich eine dieser Karten, verfügt er über Informationen, die er weder durch legitime Beobachtung noch anhand des Setzverhaltens oder bereits aufgedeckter Gemeinschaftskarten erhalten hätte.
Beim traditionellen Pitch Dealing entsteht eine mögliche Sicherheitslücke dadurch, dass sich die Karte für einen kurzen Moment oberhalb des Tisches bewegt. Normalerweise bleibt sie dabei verdeckt, doch ihr Winkel kann sich verändern, wenn sie die Hand des Dealers verlässt oder beim Spieler ankommt. Ein Gegner mit einem günstigen Blickwinkel könnte dadurch einen kurzen Blick auf die Kartenvorderseite erhaschen. Moderne Miniaturkameras stellen ein zusätzliches Problem dar: Ein entsprechend positioniertes Aufnahmegerät kann möglicherweise Details erfassen, die für einen Menschen in diesem kurzen Moment kaum wahrnehmbar sind. Das bedeutet nicht, dass jede geworfene Karte gefährdet ist. Bei Hunderten von ausgeteilten Händen kann jedoch bereits die wiederholte Möglichkeit einer unbeabsichtigten Offenlegung relevant werden.
Unbefugt erlangte Informationen können besonders bei Varianten wie No-Limit Hold’em und Pot-Limit Omaha erhebliche Auswirkungen haben, da die Kenntnis gegnerischer Karten Entscheidungen über hohe Einsätze beeinflussen kann. Bei Omaha erhält jeder Spieler vier verdeckte Karten, wodurch während der Ausgabe zusätzliche Gelegenheiten für eine unbeabsichtigte Offenlegung entstehen. Slide Dealing setzt genau an dieser physischen Schwachstelle an, ohne die Spielregeln zu verändern. Anstatt sich ausschließlich auf eine perfekt ausgeführte Wurfbewegung zu verlassen, soll die Karte möglichst nah an der Tischoberfläche bleiben. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass ihre Vorderseite sichtbar wird, bevor sie den vorgesehenen Empfänger erreicht.
Slide Dealing verändert den Weg, den die Karten zwischen dem Dealer und den Spielern zurücklegen. Anstatt jede Karte durch die Luft zu werfen, schiebt der Dealer sie verdeckt über die Tischoberfläche zum jeweiligen Sitzplatz. Dabei bleibt die Karte während des größten Teils der Bewegung flach auf dem Filz oder unmittelbar darüber. Dadurch entstehen weniger Blickwinkel, aus denen ihre Vorderseite sichtbar werden könnte. Aufnahmen aus dem Venetian zeigten Dealer, die mit einem Kartenschlitten und einer glatteren Tischbespannung arbeiteten, um die Ausgabe zu erleichtern. Das Ziel ist einfach: unnötige Einblicke in die Karten verhindern und gleichzeitig einen geordneten, gleichmäßigen Ablauf gewährleisten.
Der Unterschied wird deutlich, wenn man den Weg einer einzelnen Karte betrachtet. Beim Pitch Dealing verlässt die Karte die Hand des Dealers, bewegt sich durch die Luft und landet in der Nähe des Spielers. In jeder dieser Phasen besteht eine gewisse Möglichkeit, dass sie sich ungewollt dreht oder anhebt. Beim Slide Dealing wird die Karte dagegen während ihrer Bewegung von der Tischoberfläche gestützt. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie umkippt oder ihre Unterseite sichtbar wird. Für diese Methode sind weder hochentwickelte elektronische Geräte noch Veränderungen am Kartenspiel erforderlich. Ihr wesentlicher Sicherheitsvorteil besteht darin, die physische Möglichkeit eines unbeabsichtigten Einblicks zu verringern.
Wichtig ist allerdings, dass Slide Dealing eine vorbeugende Maßnahme und keine vollständige Garantie gegen Betrug darstellt. Spieler können ihre Karten weiterhin versehentlich offenlegen, wenn sie diese ansehen. Außerdem können unlautere Handlungen beispielsweise markierte Karten, unerlaubte Absprachen oder geheime Kommunikation umfassen, die nichts mit der Ausgabetechnik zu tun haben. Eine wirksame Pokersicherheit hängt deshalb weiterhin von geschulten Mitarbeitern, der Beaufsichtigung der Tische, geeigneter Videoüberwachung und konsequent angewendeten Hausregeln ab. Slide Dealing verbessert einen bestimmten Teil dieses umfassenderen Sicherheitssystems. Der Nutzen besteht darin, sowohl unbeabsichtigte als auch gezielt ausgenutzte Kartenoffenlegungen genau in dem Moment unwahrscheinlicher zu machen, in dem vertrauliche Informationen erstmals ins Spiel gelangen.
Damit Slide Dealing zuverlässig funktioniert, muss die Spielfläche eine gleichmäßige Bewegung der Karten ermöglichen, ohne dass diese unerwartet stoppen oder sich seitlich drehen. Herkömmlicher Pokerfilz kann Reibung erzeugen, insbesondere wenn eine Karte eine größere Entfernung bis zum gegenüberliegenden Ende des Tisches zurücklegen muss. Glattere Tischbespannungen, die häufig als Speed Felt bezeichnet werden, können diese Bewegung erleichtern. Berichte über die Umstellung im Venetian zeigten die Verwendung solcher Oberflächen in Kombination mit einem Kartenschlitten. Diese Anpassungen verdeutlichen, weshalb die Einführung von Slide Dealing mehr erfordert, als den Mitarbeitern lediglich eine andere Handbewegung vorzuschreiben.
Ebenso wichtig ist die Schulung der Dealer. Sie müssen die Karten präzise an verschiedene Sitzplätze verteilen, die richtige Ausgabereihenfolge einhalten und verhindern, dass Karten übereinanderliegen oder an ungünstigen Stellen zum Stillstand kommen. Ein erfahrener Dealer, der bisher ausschließlich Pitch Dealing verwendet hat, kann die neue Bewegung zunächst als ungewohnt empfinden, weil sich über Jahre hinweg ein anderer Arbeitsrhythmus eingeprägt hat. Das Venetian gab seinen Mitarbeitern deshalb vor der Einführung auf der Spielfläche ausreichend Gelegenheit zum Üben. Laut den von PokerNews veröffentlichten Aussagen LaRosas wollte das Management den Übergang sowohl für die Beschäftigten als auch für die Gäste möglichst angenehm gestalten und gleichzeitig die gewohnten professionellen Standards des Pokerraums beibehalten.
Eine häufig diskutierte Frage ist, ob das Schieben der Karten den Spielablauf verlangsamt. Traditionelles Pitch Dealing kann von einem erfahrenen Dealer außerordentlich schnell ausgeführt werden, während Slide Dealing eine kontrollierte Bewegung entlang der Tischoberfläche erfordert. Der tatsächliche Unterschied hängt jedoch von der Erfahrung des Dealers, der Beschaffenheit des Tisches und der Anzahl der Spieler ab, die Karten erhalten. In den öffentlichen Berichten vom Oktober 2026 wurde kein zuverlässiger, unabhängig gemessener Vergleich der pro Stunde ausgeteilten Hände im Venetian vor und nach der Umstellung veröffentlicht. Behauptungen, Slide Dealing sei genauso schnell oder deutlich langsamer, sollten daher mit Vorsicht betrachtet werden, bis geeignete Betriebsdaten vorliegen.

Die Einführung von Slide Dealing im Venetian ist eine wichtige Entwicklung, weil große Pokerräume in Las Vegas traditionell Pitch Dealing bevorzugen. Das South Point hatte bereits im August 2026 mit der Umstellung auf die Schiebetechnik begonnen und damit gezeigt, dass sich dieses Verfahren auch auf dem lokalen Casinomarkt einsetzen lässt. Anschließend wurde das Venetian zum ersten großen Casino am Las Vegas Strip, das diesen Schritt vollzog. Seine Entscheidung liefert somit ein weiteres praktisches Beispiel für Betreiber, die ähnliche Änderungen erwägen. Beide Pokerräume haben sich dafür entschieden, ein bestehendes Sicherheitsproblem durch Anpassungen der physischen Abläufe am Tisch anzugehen, anstatt neue Pokerregeln einzuführen.
Die internationale Pokerbranche beschäftigte sich bereits vor diesen Veränderungen in Las Vegas mit dem Thema. PokerStars kündigte im August 2024 an, Slide Dealing bei seinen Live-Veranstaltungen einzuführen, und weitete die Anwendung im Laufe des Jahres 2025 aus, unter anderem bei der European Poker Tour. Diese Entwicklungen zeigen, dass es sich weder um eine experimentelle Erfindung noch um eine Technik handelt, die ausschließlich in einem bestimmten Casino verwendet wird. Allerdings führen Verfahren, die innerhalb einer Turnierserie funktionieren, nicht zwangsläufig zu identischen Ergebnissen in amerikanischen Cash-Game-Pokerräumen. Personalplanung, Tischanordnung, Erwartungen der Gäste und eingespielte Arbeitsabläufe können erheblichen Einfluss darauf haben, wie erfolgreich ein Casino die neue Methode umsetzt.
Der Zeitpunkt der Umstellung im Venetian ist besonders relevant, da dort vom 28. Oktober bis zum 15. November 2026 das WPT Fall Festival stattfindet. Zum Programm gehört die WPT Venetian Las Vegas Fall Championship mit einem Buy-in von 5.000 US-Dollar, die für den 5. bis 10. November angesetzt ist und einen garantierten Preispool von zwei Millionen US-Dollar bietet. Bei diesen Veranstaltungen werden nicht nur Stammgäste, sondern auch zahlreiche angereiste Turnierspieler mit der neuen Ausgabemethode in Berührung kommen. Am 2. November 2026 hat die Championship noch nicht begonnen, weshalb ihre betrieblichen Ergebnisse noch nicht beurteilt werden können. Das Festival bietet dennoch eine wichtige Gelegenheit zu beobachten, wie sich Slide Dealing während einer umfangreichen Live-Pokerserie bewährt.
Die Entscheidung des Venetian hat eine Diskussion darüber ausgelöst, ob weitere große Casinos ähnliche Verfahren übernehmen werden. Am 15. Oktober 2026 berichtete PokerOrg über eine Bestätigung von MGM Resorts, wonach das Unternehmen erste Gespräche über eine mögliche Einführung von Slide Dealing in seinen Pokerbetrieben aufgenommen hatte. Sean McCormack, Executive Director of Poker Strategy and Development bei MGM Resorts, betonte, dass die Integrität des Spiels und der Schutz der Spieler zu den wichtigsten Prioritäten gehörten. Diese Gespräche bedeuteten jedoch noch keinen verbindlichen Zeitplan für eine Einführung. Anfang November 2026 wäre es deshalb falsch zu behaupten, dass sämtliche Pokerräume von MGM bereits beschlossen hätten, ihre Kartenausgabeverfahren umzustellen.
Eine weitere Verbreitung wird teilweise davon abhängen, ob die Betreiber die Sicherheitsvorteile als ausreichend ansehen, um Investitionen in Schulungen, Anpassungen der Ausstattung und mögliche Veränderungen der Ausgabegeschwindigkeit zu rechtfertigen. Ein großes Casino mit zahlreichen Pokertischen steht möglicherweise vor anderen praktischen Herausforderungen als ein kleinerer Pokerraum. Die World Series of Poker beispielsweise umfasst umfangreiche Turnierveranstaltungen und eine große Anzahl von Dealern, weshalb eine flächendeckende Änderung der Arbeitsabläufe besonders aufwendig sein könnte. Die Unterstützung bekannter Spieler, darunter Daniel Negreanu, hat die öffentliche Aufmerksamkeit erhöht. Einzelne Empfehlungen können jedoch sorgfältige Praxistests nicht ersetzen. Die Betreiber müssen selbst feststellen, ob die Methode unter ihren jeweiligen Spielbedingungen zuverlässig funktioniert.
Für Spieler besteht die wichtigste Erkenntnis darin, dass der Schutz verdeckter Karten nicht erst beginnt, nachdem sie diese erhalten haben. Ihre Vertraulichkeit hängt auch davon ab, wie sie vom Dealer zum jeweiligen Sitzplatz gelangen. Slide Dealing verringert eine klar erkennbare Möglichkeit der unerwünschten Informationsweitergabe, während ein sorgfältiger Umgang mit den eigenen Karten und eine wirksame Spielaufsicht weiterhin unverzichtbar bleiben. Die Umstellung im Venetian zeigt, dass auch seit Langem etablierte Pokerpraktiken überprüft und verändert werden können, wenn Sicherheitsbedenken dies rechtfertigen. Ob sich diese Technik künftig in ganz Las Vegas als Standard durchsetzt, bleibt offen. Ihre zunehmende Verbreitung im Jahr 2026 deutet jedoch darauf hin, dass die Kartenausgabe verstärkt als wesentlicher Bestandteil der Sicherheit und Integrität des Live-Pokers betrachtet wird.